Warum kein Leder?

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Leder ist nicht nur, wie von vielen Menschen angenommen, ein Abfallprodukt der Industrie, denn hinter der Lederproduktion steckt ein Milliarden schwerer Markt, der eng mit dem Schuhmarkt verknüpft ist. Alleine 50 % des produzierten Leders findet seine Verwendung in der Schuhproduktion. Die anderen 50 % teilen sich auf in Lederbekleidung, Möbel, Automobil und sonstiges. Millionen Tieren werden für die Lederproduktion gezüchtet und geschlachtet, denn die Lederproduktion ist kein „Nebenprodukt“ der eigentlichen Fleischproduktion. Tiere werden nicht nur primär für das Fleisch gezüchtet, sondern an der Haut des Tieres besteht ebenso ein wirtschaftliches Interesse. 

Um aus der eigentlich verderblichen Tierhaut, die sich bis dato natürlich abbauen würde, ein dauerhaftes Produkt zu schaffen, muss das Leder einen bestimmten Prozess durchlaufen. Dieser Prozess nennt sich „Gerben“, was vielen vielleicht nicht so bekannt ist, Leder ist nach dem Gerbungsprozess nicht mehr biologisch abbaubar. Altleder muss also verbrannt werden, hierbei kann hochgiftiges Chrom freigesetzt werden. Bei der Gerberei werden verschiedene Verfahren und Rohstoffe eingesetzt, allerdings ist mit ca. 95% die Mineralgerbung das meistverwendete Verfahren. Hier finden Chromsalze, Aluminiumsalze und Zirkonsalze ihre Verwendung. Diese Rohstoffe sind hochgiftig und können schwere Folgen für Mensch, Tier und Umwelt haben, denn das Gerben ist alles andere als Umweltschonend. Die pflanzliche Gerbung ist nur auf den ersten Blick eine Alternative, zwar werden als Gerbstoffe hier hauptsächlich Tannine aus Blättern, Rinden, Hölzern und Früchten verwendet, jedoch hat diese Gerbung wiederum andere Nachteile. Die Gerbung der Tierhäute mit Pflanzen nimmt wesentlich mehr Zeit in Anspruch, im Schnitt 15 bis 30 Monate, sie benötigt somit mehr Energie und Wasser, was sich negativ auf die gesamte Umweltbilanz niederschlägt. Das bedeutet, dass aus ökologischer und auch ökonomischer Sicht die pflanzliche Gerbung keine adäquate Alternative bietet. Heutige moderne vegane Materialien sind nicht mehr mit den billigen Lederimitaten zu vergleichen, die beispielsweise immer dann eingesetzt werden, wenn der Schuh möglichst günstig sein soll. Der Anspruch veganer Schuhe ist Langlebigkeit und Nachhaltigkeit, somit werden hochwertige Bestandteile verwendet.

Umwelt:

Bei der Mineralgerbung wird der hochgiftige Stoff „Chrom“ eingesetzt, was für die Arbeiter, die Anwohner, die Umwelt und Endverbraucher schwere Folgen hat. Laut der US-Behörde für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) zufolge liegt die Zahl der an Leukämie erkrankten Bewohner in der Nähe einer Gerberei im US-Bundesstaat Kentucky um das Fünffache über dem nationalen Durchschnitt. Arsen, eine häufig in Gerbereien eingesetzte Chemikalie, wird schon seit Langem mit der Lungenkrebserkrankung von Arbeitern, die der Substanz regelmäßig ausgesetzt sind, in Verbindung gebracht. Unterschiedliche Studien haben die Verbindung zwischen Lungenkrebs und dem in der Gerberei verwendeten Chrom nachgewiesen.

Auch Arbeitsschutz und faire Bezahlung sind für die Arbeiter in diesen Ländern Fremdwörter, denn nirgendwo ist die Bezahlung so niedrig wie dort und zugleich das Gesundheitsrisiko so hoch. Laut WHO haben diese Menschen eine Lebenserwartung von nicht mehr als 50 Jahren. Zu allem Überfluss wird der giftige Gerbschlamm in Gewässer und freie Flächen geleitet und verseucht den ganzen Boden in mehreren Kilometer Umkreis mit Chrom. In Ländern wie Indien und Bangladesch sind Arbeiter wegen der Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung von Erkrankungen wie Fieber, Hautausschlägen, Atemproblemen und Durchfall betroffen, denn die Abwasser aus den Gerbereien werden ungefiltert in den Fluss entsorgt, vergiften den Boden und verseuchen das Grundwasser. Die Menschen in diesen Gebieten haben keine Chance, sie trinken das Wasser und essen die Lebensmittel, die auf dem Chrom verseuchten Boden wachsen. Selbst der Verbraucher kann betroffen sein, denn durch das Tragen der Schuhe, Jacken oder Handschuhen können Hautausschläge auftreten. Laut einer Untersuchung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit waren in vielen Lederprodukten auch nach dem Kauf Chrom-Werte nachgewiesen, die die Grenzwerte deutlich überschreiten. Die Stiftung Warentest fand 2013 in jeden fünften Kinderschuh Chrom-VI.

Vegane Schuhe sind nicht nur empfehlenswert für die Tiere, sondern ebenfalls für die Arbeiter in den Fabriken, für die Konsumenten und für die Umwelt.


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