„Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen zurück!“ -Pythagoras

Die Annahme, dass der Veganismus nur eine Modeerscheinung und ein Phänomen der Moderne sei, lässt sich nach einem kurzen Blick in die Menschheitsgeschichte schnell widerlegen. Der Kult, auf Fleisch zu verzichten besteht seit mehreren Jahrhunderten, so finden sich die ersten Anhänger in der Antike.

Der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras war schon zu dieser frühen Zeit der Meinung, dass den zeittypischen Tieropfern und dem Verzehr von Fleisch abgeschworen werden sollte. Pythagoras und seine Anhänger waren der Meinung, dass der Fleischgenuss aus den Menschen eine Kriegsmaschine, aggressiv und mordlüstern machen würde.

Auch die Orphiker, die eine religiöse Gemeinschaft um 600 vor Christus darstellten, lehnten den Fleischverzehr ab. Sie glaubten an die Wiedergeburt, welche auch die tierische Seele miteinbezog. Mitglieder dieser Glaubensgesellschaft waren wohl die ersten Veganer, die auf den Verzehr, als auch auf den Gebrauch tierischer Produkte völlig verzichteten (z. B. Wolle und Leder). Bis zu der Einführung des Begriffs „Vegetarier“ 1847 (in England), nannte man die Menschen, die sich fleischlos ernährten, „Pythagoräer“.

Sidefact: Die Analysen der Knochen von ca. 70 Gladiatoren ergaben, dass die römischen Kämpfer ihre Kraft völlig vegan aus Gerste, Bohnen und Trockenfrüchten generierten.

Auch wenn sich im Mittelalter die vegetarische Bewegung nur wenig durchsetzen konnte, gab es religiöse Gemeinschaften (z. B. Mönche), die eine fleischlose Ernährung bevorzugten. Die Bekanntesten waren die Benediktiner und die Zisterzienser, die durchweg vegetarisch bis hin zu vegan lebten.

Trotzdem wurde oft z. B. Fisch verzehrt und die Überzeugungen waren hierbei auch wieder religiös begründet. So wurde Gottes Schöpfung gepriesen, nicht aber das Tier als Individuum wertgeschätzt.

Im Wandel der Neuzeit war Leonardo Da Vinci (1452-1519) der bekannteste Vertreter, der in der frühen Neuzeit die vegetarische Lebensweise praktizierte. Weitere bekannte Persönlichkeiten waren Jean Jacques Rousseau und Francois de Voltaire.

Trotz diverser berühmter Persönlichkeiten fand die pflanzliche Lebensweise erst im 19. Jh. eine breitere Akzeptanz, vor allem im angelsächsischen Raum galt sie als gesünder. Vor allem der Dichter Shelley (1792-1822) war der prominenteste Wortführer des ethisch motivierten Vegetarismus.

Der erste Vegetarierverein wurde 1801 in London gegründet. Bis in das frühe 20. Jh. wurde allerdings die Ovo-lacto-vegetarische Lebensweise (Verzicht auf Fleisch und Fisch) bevorzugt, es gab demnach nur eine kleine Minderheit, die sich komplett vegan ernährte.

In Deutschland gilt Gustav Struve (1805-1870) als Begründer der vegetarischen Bewegung, so sah er sich durch Jean-Jacques Rousseaus Roman Émilie für den Vegetarismus motiviert. Er war ein deutscher Rechtsanwalt und Publizist im Großherzogtum Baden.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gewann die vegetarische Bewegung an Bedeutung. Es gab hierbei verschiedene Motivationsgründe, einer davon betonte die Aspekte des Tierschutzes und eine für möglich gehaltene Veredelung der Menschheit durch Fleischverzicht. Auch wenn Richard Wagner erst in seinen letzten Lebensjahren vegetarisch wurde, forderte er eine allgemeine Abkehr vom Fleischverzehr.

1935 löste sich der Dachverband der Vegetarier auf, um der geplanten Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten zuvorzukommen. Die Genossenschaft Eden, die schon zu Zeiten des 1. Weltkriegs völkische und rassistische Ansichten vertraten, durfte weiterbestehen. So wurde Adolf Hitler von der NS-Propaganda als asketisch lebender Nichtraucher, Vegetarier und Tierfreund dargestellt.

Der „wirkliche“ Veganismus trat zum ersten Mal 1944 in England auf, dort wurde die von Donald Watson gegründete „Vegan Society“ ins Leben gerufen. Er bemühte sich, mit dem Begriff „Veganer“ eine Trennung zu Vegetariern zu schaffen. Der vegane Lebensstil sollte demnach als die konsequente Vollendung des Vegetarismus florieren.

In der Gegenwart angekommen schließt der Veganismus alle Produkte aus, die tierischen Ursprungs sind, das bezieht sich sowohl auf die Ernährung als auch auf Gebiete wie Kosmetik und Kleidung. Der Verzicht auf z. B. Leder und Wolle ist außerdem miteingeschlossen, stattdessen werden Produkte aus beispielsweise Kunststoff und Mikrofasern produziert.

Der Konsum von Eiern und Milch wird deswegen abgelehnt, da dieser auch den Tod von Tieren nach sich zieht. Außerdem wird die Massentierhaltung und der unwürdige Umgang mit den Tieren nicht toleriert. Auch die Entscheidung gegen Überdüngung und Treibhausgase spielt eine Rolle, denn die Viehzucht stellt mit Abstand die größte Gefahr für die Umwelt und den Klimawandel dar.

Kommt es zu Kleidung und Schuhen, die in diversen veganen Online-Shops angeboten werden, befinden wir uns heute inmitten eines großen Angebots diverser Textilien. Um solch vegane Schuhe produzieren zu können, wird vollkommen auf tierische Endprodukte verzichtet. So wird stattdessen die Sohle aus Kautschuk, Gummi, Holz oder Kork angefertigt. Für den Rest des Schuhs wird Baumwolle, Leinen, Hanf oder synthetische Materialien verwendet.

Um einen nachhaltigen Schuh anbieten zu können, hat die vegane Produktion außerdem den Vorteil, überwiegend Gebrauch von recycelten Materialien zu machen, was sich wiederrum positiv auf die Umwelt auswirkt. Vor allem bei Kunstleder, das bekanntermaßen auf Erdölbasis hergestellt wird, greifen Produzenten oft ausschließlich auf recyceltes Material zurück.